Künstlererklärung

Farben waren meine erste große Liebe. Während meines Kunst-Studiums jedoch waren es die Zeichen- und Bildhauerei-Lehrer, die mich am stärksten beeindruckten. Daher schloss ich in London mit einem BA (Hons)in Bildhauerei ab.

Die Landschaften Südfrankreichs konnten mich erneut für die Malerei begeistern. Zehn Jahre lang war ich umgeben von silbrig schimmernden Weinbergen. Von Bäumen umsäumte Straßen gaben mir die Chance, das warme und starke Licht zu erforschen, das dort scheint. Dieses Licht gibt allem und jedem Fülle und Bedeutung. Die majestätischen Platanen entlang des Canal du Midi und auch die tragische Art, wie diese Bäume wegen Krankheitsbefalls geschlagen werden mussten, inspirierten mich viele Jahre lang. Dieses Kapitel endet nun.

Inzwischen haben die Wälder in der Stadtumgebung Berlins damit begonnen, mir zuzuflüstern. Verschwiegen und mysteriös, Hüter der Geschichte, dunkel und von einer faszinierenden Atmosphäre.

Meine neuen Arbeiten untersuchen die fragile Symbiose zwischen uns Menschen und unserer Umwelt.

Ein technisches Problem ist im Versuch aufgetaucht, diese uralte Beziehung zwischen Bäumen und Menschen darzustellen: Wann immer auf einem Gemälde eine menschliche Figur in der Landschaft erscheint, wird die Umgebung zur bloßen “Szene” und damit zu einem Hintergrund der menschlichen Erzählung. Wie kann ich eine menschliche Präsenz malen ohne den ungewünschten Effekt von Kitsch oder Romantik? Wie können die Bäume die “Helden” der Komposition bleiben?

Die Antwort: Maßstab. Wenn die Anwesenheit des Menschen im Vergleich zu den Bäumen sehr klein ausfällt, dann kann ich unsere Tendenz, sich mit dem Menschlichen in der Kunst zu identifizieren, zu der Aussage nutzen “Schaut mal, wir sind wirklich klein, ist das nicht schön?”

Dieser Maßstab sollte daher Erleichterung mit sich bringen. Seit Nietzsche über den Tod Gottes nachzudenken begann, hatten wir viel zu schultern. Vielleicht können wir unseren Frieden finden, wenn wir unsere Position innerhalb der Natur anerkennen: nicht als dominante Akteure, sondern als ein teilnehmendes Element in einem Ökosystem.

Unsere Existenz hängt davon ab, unseren angemessenen Ort innerhalb der Natur zu finden, ohne unsere eigene Bedeutung zu übersteigen. Diese Gemälde möchten erhebend wirken. Und gleichzeitig zur Bescheidenheit ermuntern.

Ich male mit Öl auf Leinwand, begeistere mich über die Effekte von Schatten und Licht und bin fasziniert von der Perspektivveränderung, die uns die Linse der Kamera schenkt. Das bringt uns zurück zu Caravaggio und seinem Erbe (…über Hockney rückwärts durch die Geschichte wandernd).

In der Vergangenheit bestellten die Kirchen Gemälde, um die Menschen zu bilden, um deren Hochachtung zu wecken sowie Verhaltensweisen zum Besseren zu ändern. Meine neuesten Gemälde haben ein ähnliches Ziel; einen persönlichen Wandel in unseren Zeiten einzuleiten. Sie funktionieren also wie heutige Altar-Stücke. Sie bitten uns, etwas anzuerkennen, das größer ist als wir selbst. Es sind die Bäume, die uns erlauben zu atmen, und es ist der Planet, der uns am Leben erhält.

Ich fühle mich geehrt, Gemälde in privaten Sammlungen auf beinahe jedem Kontinent zu haben. Ich nehme gerne Aufträge an und male außerdem Kollektionen für jährliche Ausstellungen. 

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Photo credit: Maia Beyrouti